Waldmeisterbowle

Waldmeister – ein kurzer Steckbrief

Waldmeister findet man in Nord- und Mitteleuropa, auf der Balkanhalbinsel bis hin zu Nordafrika. Selbst in Sibirien ist die wild wachsende Pflanze verbreitet. Ihr vierkantiger Stängel wird etagenweise von je sechs oder acht lanzenförmigen Blättern umschlossen – diese Wuchsform verleiht ihm sein charakteristisches Aussehen. In der Naturheilkunde spielt der Waldmeister eine Rolle als Beruhigungs- oder Schlafmittel. Die meisten kennen ihn jedoch als Genussmittel in Form der klassischen Waldmeisterbowle, als Waldmeistereis oder – in Erinnerung an die Kindheit – als Waldmeisterbrause bzw. Götterspeise. Auch zu erwähnen sei hier die Berliner Weiße, hier wird oft ein Schuss Waldmeistersirup hineingegeben.

Waldmeister ernten und aufbewahren

Wer selbst Waldmeister für die Waldmeisterbowle sammeln möchte, sollte sich im April/Mai auf die Suche nach der Waldmeisterpflanze machen. Der Waldmeister wird noch vor seiner Blütezeit gesammelt und frisch oder getrocknet verwendet. Besonders gern besiedelt er Laub- und Mischwälder und vergesellschaftet sich mit Buschwindröschen. Allerdings ist er auch eine dankbare Gartenpflanze – wer also einen eigenen Garten hat und einmal eine kleine Pflanze setzt, wird sich über viele Jahre hinweg an seinem Waldmeister erfreuen können. Für die Waldmeisterbowle sollten die Pflanzen nach dem Pflücken an den Stielen zusammengebunden werden und dann über Nacht in einen Krug Weißwein gehängt werden. Die Stiele dabei draußen lassen, so kann der Waldmeister sein für ihn charakteristisches Aroma besser entfalten. Waldmeister lässt sich auch gut einfrieren. Hierfür aber nicht als Strauß zusammenbinden, sondern locker in Schalen legen. Das Kraut kann nach dem Auftauen wie frischer Waldmeister verwendet werden. Übrigens: Entgegen allen Behauptungen wird der Waldmeister auch nach seiner Blüte nicht giftig – es werden nur die Stängel und Blätter härter, was die Verwendung unattraktiver macht.



Waldmeisterbowle – das klassische Rezept

Ganz wichtig ist, nicht zu viel Waldmeister zu verwenden. Empfohlen wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ein Maximum von drei Gramm Waldmeister (frisch!) pro Liter Bowle. Das Cumarin, welches für den typischen Geschmack verantwortlich ist, wirkt bei häufigem und großem Verzehr giftig. Es kann Kopfschmerzen, Leberschäden, Benommenheit und Schwindel auslösen, zum Glück sind diese leichten Vergiftungssymptome jedoch reversibler Natur. Trotzdem sollte die Waldmeisterbowle nur in Maßen genossen werden. Für die Bowle sollten die circa 6-8 Stängel, jedoch nicht die Stielenden, über Nacht in Weißwein ziehen. Zwei Löffel Zucker werden in heißem Wasser aufgelöst und mit dem angesetzten Weißwein (ungefähr ein Liter) vermischt. Zum Schluss gibt man noch eine halbe Flasche trockenen, sehr kühlen Sekt hinzu – fertig ist die erfrischende Waldmeisterbowle. Wem der Geschmack nicht intensiv genug ist, hilft einfach noch mit Waldmeistersirup nach. Wer Kinder hat oder eine alkoholfreie Bowle bevorzugt, verwendet einfach statt Weißwein Apfelsaft zum Ansetzen. Danach wird die Waldmeisterbowle mit Mineralwasser und einem Schuss Zitronensaft aufgefüllt. Sehr dekorativ machen sich übrigens ein paar frische Stängel Waldmeister in dem Bowlengefäß. Ganz wichtig zu wissen: Waldmeisterbowle wird nicht grün! In der Lebensmittelindustrie sorgen Farbstoffe für die giftgrüne Waldmeisterfarbe. Wenn Sie für ihre Kinder oder Gäste den gleichen Effekt wollen, helfen Sie einfach mit Lebensmittelfarbe oder Sirup nach.